Wednesday, 25 May 2016

Rechter Schatten liegt auf Zwickau

Die Stadt sorgt im Zusammenhang mit dem NSU und Rechtsextremismus immer wieder für Schlagzeilen. Bürger fordern, dass sich etwas ändert.

Von Tanja Goldbecher

Zwickau. Das gelb gestrichene Haus an der Zwickauer Frühlingsstraße ist abgerissen. Die drei Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe verstecken sich dort schon seit vier Jahren nicht mehr. Der Rechtsextremismus wirft aber immer noch Schatten auf Zwickau. Zuletzt ist die Muldestadt am 1. Mai in den bundesweiten Schlagzeilen aufgetaucht, als Bürger, darunter etliche Rechtsextreme, die Kundgebung auf dem Hauptmarkt störten.

Das Ende der Pappel - in Zwickau kein Einzelfall

Von seinem Balkon aus blickt ein 78-Jähriger statt ins grüne Blätterwirrwarr nun auf eine rote Mauer. Mit dem gefällten Baum ist auch das Zwitschern der Vögel aus dem Innenhof verschwunden.

Von Tanja Goldbecher

Zwickau. Wenn Olaf Böhm früher an der Mauritius-Brauerei vorbei gelaufen ist, hat er den Blick immer gen Himmel gerichtet. Bis zu seiner Wohnung an der Zwickauer Max-Pechstein-Straße waren es von dort aus noch etwa zehn Minuten zu Fuß. Die grüne Spitze der riesigen Pappel aus seinem Innenhof sah er aber schon über die Dächer ragen. Die Augen auf diesen Punkt fixiert, kam er seiner Heimat langsam näher.

Wenn der 78-Jährige heute diesen Weg geht, schmerzt ihn die Aussicht. Denn die Pappel, die noch älter als er gewesen sein muss, gibt es nicht mehr. Im März fällten Arbeiter den Baum, ohne eine Ankündigung, ohne eine Erklärung. Als Böhm sie fragte, wer das veranlasst hat, bekam er keine Antwort. Geblieben ist ein Stumpf, eine mit hellen Holzspänen übersäte Wiese und eine Leere im Innenhof. "Der Baum war doch noch kerngesund", sagt der ältere Mann entrüstet. Äste seien lediglich an stürmischen Herbsttagen herabgesegelt.
Als der frühere Papiermacher bei seiner Hausverwaltung nachfragte, erklärte man ihm, sein Vermieter habe damit nichts zu tun. Auch der Inhaber der angrenzenden Knopf- fabrik habe nichts von der Abholzung gewusst. Tatsächlich stand der grüne Riese auf der Wiese des Grundstücks - es gibt jedoch keinen Zaun, und die Mieter teilen sich den Hinterhof.

Bettelei: Wenig akzeptiert, aber erlaubt

Immer wieder sitzen Menschen in der Zwickauer Innenstadt, die um Geld bitten. Während sich einige Passanten darüber aufregen, informieren andere Sozialarbeiter.

Von Tanja Goldbecher

Zwickau. Ein junger Mann kniet an einer Ecke an der Hauptstraße. Die Kapuze ist tief ins Gesicht gezogen. Vor ihm steht ein Pappbecher. Als ihm jemand Geld gibt, nickt er dankend. Er versteht weder Deutsch noch Englisch. "Slowakei" ist das einzige Wort, das der Mann sagt. In den folgenden Tagen kniet er immer wieder an verschiedenen Hausecken in Zwickau nieder. Ab und zu sitzt an denselben Plätzen eine Frau.

Grundsätzlich ist das Betteln laut Stadtsprecher Mathias Merz erlaubt. Es gibt jedoch Fälle, in denen das Ordnungsamt einschreiten müsse. Diese sind in der Polizeiverordnung festgehalten. Dort heißt es, dass aggressives Betteln verboten ist. Das trifft zu, wenn ein Bettler Passanten den Weg versperrt, sie beschimpft oder festzuhalten versucht. Auch betrunkene Bettler und jene, die im öffentlichen Raum urinieren, können des Platzes verwiesen werden. Die Polizei wird dann alarmiert, wenn das zuständige Ordnungsamt nicht erreichbar ist oder größere Schwierigkeiten zu erwarten sind. "Erfahrungsgemäß ist das für uns in der Vergangenheit aber kein massives Problem gewesen", sagt die Polizeisprecherin Anett Münster.

Tuesday, 12 April 2016

Besorgte und berechnende Bürger

In der Region gibt es zwei Bürgerforen, die in den vergangenen Monaten Kundgebungen und Demos organisierten. Beide gaben sich als Plattform für Kritiker unterschiedlichster Coleur - und relativ wenig Mühe, sich von stramm rechten Gruppen zu distanzieren.

Von Tanja Goldbecher und Thomas Schmotz

Zwickau. Spaziergänge, Sternmärsche, Kundgebungen: Der Verein "Bürgerforum für Sachsen" mobilisierte und kanalisierte in den zurückliegenden Monaten die Protestbewegung in der Region. Speziell für die Kreisstadt hat sich ein zweiter, vom Namen her leicht mit dem ersten zu verwechselnder Verein gegründet: das Bürgerforum Zwickau. Beide sehen sich als Plattform für besorgte Bürger - über Partei- und ideologische Grenzen hinweg. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit.

Thursday, 7 April 2016

Häusliche Gewalt nimmt zu

Im Landkreis Zwickau gibt es mehr Übergriffe in Familien und Partnerschaften. Der Andrang in Frauenschutzhäusern steigt. Dort sinkt jedoch die Anzahl der Plätz

Zwickau. Bis zu ihrer Therapeutin sind es nur wenige Minuten zu Fuß durch die Zwickauer Innenstadt. Auf dem Weg dorthin wird Sabine Berg* plötzlich am Arm festgehalten. Es ist ihr Ex-Freund, der die 53-Jährige mitten am Tag bedrängt, auf sie einredet und an den Haaren zieht. Er versucht, sie zu küssen. Sie will sich losreißen. "Ich bringe dich um, ich schwör's dir", habe er gesagt. Irgendwann lässt er von ihr ab.

Musiker veranstalten neues Festival in Zwickau

Drei Zwickauer lassen einen Tag im Juli den Indie-Rock in der Stadt aufleben. Die Party überschneidet sich jedoch mit dem Störfaktor Festival.

Zwickau. Angefangen hat alles mit einer Band. Mittlerweile gibt es ein eigenes Label und jetzt sogar ein neues Festival in Zwickau. "Wir wollen etwas herzaubern, was wir uns früher selbst in der Stadt gewünscht hätten", sagt Sami Chahrour. Gemeinsam mit seinen beiden Bandkollegen stellt der 28-jährige Zwickauer die Indie-Rock-Party am 9. Juli in der Moccabar auf die Beine.

Friday, 26 February 2016

Wo der Feminismus stecken geblieben ist

Die Zwickauer Künstlerin Elisabeth Decker hat sich die derzeitige Ausstellung „Desperate Housewives“ in den Kunstsammlungen angeschaut. Sie sagt, heute sei vieles einfacher als vor 60 Jahren. Hausarbeit ist trotzdem immer noch überwiegend Frauensache.


Zwickau. Das Seifenwasser läuft ihr über das Gesicht. Nach und nach verwischt die Schminke an ihren Augen. Der Frauenkopf wird in der Waschmaschine samt der dreckigen Wäsche durchgeschleudert. Elisabeth Decker beugt sich nach unten und betrachtet die Videoprojektion im Bullauge der Maschine. „So leicht wie heute war es früher nicht“, sagt die 84-jährige Zwickauerin.